Görls Report

- Lena Hach in Berlin
"Görls" is proud to present:
Ariane Schroeter, unsere Facebook-Administratorin aus Otzberg sprach mit Lena Hach, erst Görl, dann Studentin, jetzt Autorin.
Lena Hach wagte nach ihrem Grundstudium in Frankfurt am Main den Sprung von Groß-Bieberau nach Berlin. Nach ihren ersten journalistischen Erfahrungen bei dem Görls-Zeitungsprojekt, wo sie vor allem zeichnete, packte sie das Schreibfieber und so gewann sie einen Schreibwettbewerb und veröffentlichte vor kurzem ihr erstes Buch, was auch der Anlass dieses Interviews ist. Wie ein Sprichwort sagt, jeder fängt mal klein an.
Lena, Du hast an dem "Maxi"-Schreibwettbewerb mit dem Thema "Einmal Glück und zurück" teilgenommen, bei dem Deine Geschichte "Die Glücksbringerin" veröffentlicht wurde. Wie erfuhrst Du von diesem Wettbewerb?
Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich die Ausschreibung für den Wettbewerb in der Zeitschrift "Maxi" gelesen und hatte gleich große Lust, eine Geschichte einzureichen. Das war so in den ersten Jahren meines Studiums, da hatte ich in den Semesterferien meistens viel Zeit zum Schreiben.
Wie kamst Du auf die Geschichte, gab es eine besondere Inspiration für Maya, die drollige Hauptperson?
Ich weiß noch, dass ich das Thema zuerst ein bisschen kitschig fand und auf keinen Fall eine typische "Lovestory" schreiben wollte. Mich hatte es gereizt, eine Figur zu entwickeln, die ein bisschen kompliziert ist, beziehungsweise die eine ordentliche Macke hat. Übrigens kenne ich wirklich eine Frau, die hin und wieder ein 1-Cent-Stück irgendwo liegen lässt, damit sich jemand darüber freuen kann. Das habe ich als Ausgangspunkt für meine Geschichte genommen und weitergesponnen.
Und hast Du dich sehr gefreut als Du erfuhrst, dass Deine Geschichte veröffentlicht wird?
Oh ja! Ich war total stolz und bin grinsend durch die Gegend gerannt. Ich glaube, das hat mich richtig motiviert, seitdem habe ich massenhaft Geschichten bei Wettbewerben eingereicht. Wer auch Lust dazu hat, sollte sich den Newsletter von www.uschtrin.de bestellen, da gibt es haufenweise Ausschreibungen.
Im März 2011 erschien im Plöttner Verlag Dein erstes eigenes Buch mit dem Titel "Neue Leute". Wie hat sich das entwickelt?
Als ich einige Kurzgeschichten beisammen hatte, habe ich mich damit an Verlage gewandt. Zuerst schickt man eine Leseprobe hin, das sind vielleicht so zehn Seiten. Den Plöttner Verlag hat das neugierig gemacht, deshalb habe ich, in einem zweiten Schritt, das ganze Manuskript geschickt. Dann hat es noch mal sehr lange gedauert bis plötzlich die Zusage kam. Und dann ging es ganz schnell, ich musste sogar noch Geschichten "nachschreiben", weil es nicht genug waren. "Kirschen holen" ist zum Beispiel eine von den ganz neuen Geschichten.
Bist Du überwiegend schriftstellerisch tätig, oder hast Du noch etwas anderes im Sinn?
Das ist eine gute Frage. Ich glaube, die Antwort darauf ändert sich im Wochentakt. Angefangen habe ich mit journalistischem Schreiben während des Studiums, aber das fiktive Schreiben hat immer mehr Zeit eingenommen- es macht mir auch mehr Spaß. Aber ich will es gerne mit einer anderen Arbeit kombinieren, weil das Schreiben auch sehr einsam sein kann, manchmal fehlen mir KollegInnen, mit denen ich in der Pause einen Kaffee trinken kann. In letzter Zeit habe ich beispielsweise im Zweierteam an einem Sachbuch zum Kreativen Schreiben gearbeitet, das war wieder eher journalistisches Arbeiten.
Welches Studium, welche Qualifikation sind die Voraussetzung?
Oh, ich glaube, es braucht kein bestimmtes Studium. Ich habe Anglistik und Germanistik auf Lehramt studiert. Aber ich denke, die Lust am Schreiben ist viel wichtiger als eine bestimmte Ausbildung. Hilfreich ist es auf jeden Fall, sich Gleichgesinnte zu suchen, die Feedback geben, damit eigene Texte weiterentwickelt werden können. Seit kurzem gehe ich auf einen Autorinnenstammtisch, das ist eine tolle Sache. Wahrscheinlich hilft es auch viel zu lesen, weil man von anderen viel lernen kann.
War es schwer einen Verlag zu finden?
Ich glaube, man braucht vor allem Geduld. Und man darf sich nicht demotivieren lassen, wenn nicht gleich eine Zusage kommt. Ich hatte mich darauf eingestellt, dass das lange dauern kann, daher haben mich die ersten Absagen glücklicherweise nicht erschüttert.
Wie kam es, dass Du heute in Berlin lebst, da Du ja ürsprünglich aus Groß-Bieberau kommst. Und inspiriert Dich das Großstadtleben mehr, als es das Leben auf dem Lande zu tun vermochte?
Ich bin nach meinem Grundstudium, das ich in Frankfurt/Main abgeschlossen habe, nach Berlin gezogen. Dafür gab es mehrere Gründe: Ich hatte gleich nach dem Abitur eine Zeit lang mit dem Gedanken gespielt, nach Berlin zu ziehen. Am Anfang war ich total geflasht von der Stadt! Ich weiß noch, wie ich im Café einer Buchhandlung an der Gedächtniskirche saß, einen meinen ersten Berliner Kaffees vor mir, und alles Mögliche, was ich in der Stadt so gesehen habe, rasend schnell aufschrieb. Daraus habe ich dann Glossen gemacht, mit denen ich mich bei der Zitty, einem Stadtmagazin, bewarb. Berlin hat mein Schreiben zu Beginn also richtig befeuert, es war so wie ein Turboantrieb. Ich glaube aber, dass ich auch in meinem Heimatstädtchen im Odenwald weiter schreiben würde- eigentlich würde die Ruhe dort den Texten sicher gut tun. Manche meiner Geschichten sind sehr von dem Aufwachsen in der hessischen Kleinstadt inspiriert; "Unter dieser Nummer" ist so eine Geschichte, oder auch "Kirschen holen".
Was macht Ihr bei dem Autorinnenstammtisch in Berlin-Schöneberg? Und in welcher Weise hilft es Dir bei Deiner schriftstellerischen Tätigkeit?
Ich bin erst seit kurzem bei diesem Stammtisch, eine befreundete Autorin hat mich darauf aufmerksam gemacht, wofür ich ihr sehr dankbar bin. Wir treffen uns einmal im Monat im Frauencafé "Begine" in Schöneberg, trinken Tee und Cappuccino und reden über alles, was mit dem Autorinnendasein zu tun hat. Manchmal bringt eine von uns einen Auszug des Texts mit, an dem sie gerade arbeitet und die anderen versuchen sich in konstruktiver Kritik. Dann wieder versuchen wir gemeinsam herauszubekommen, was "gute Literatur" eigentlich ist und lesen Textbeispiele aus Büchern, die wir für gelungen halten. Einmal haben wir uns eine witzige Schreib-Hausaufgabe gegeben: Jede sollte einen Text zum Thema Frühling schreiben, der genau 100 Wörter hat. Es war sehr spannend zu sehen, was für unterschiedliche Minitexte da entstanden.
Hat die Zeit bei dem Görls-Zeitungsprojekt Dich in irgendeiner Weise, ob beruflich oder persönlich, geprägt?
Oh ja, die Zeit bei Görls war ganz wichtig für mich. Es tat mir gut, regelmäßig aus Groß-Bieberau rauszukommen, wo jeder jeden kennt, um in Darmstadt mit ganz anderen Leuten von unterschiedlichen Schulen gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten. Ich kannte die Zeitschrift schon, bevor ich dazu gestoßen bin und weiß noch, wie baff ich war, plötzlich zum Team zu gehören, das so eine schöne Sache produziert! Mitmischen können, ernst genommen werden war für mein Selbstbewusstsein wichtig.
Rückblickend, wie denkst Du heute, nach einigen anderen Erfahrungen, über Deine Zeit bei der Görls?
Ich war während meiner Zeit bei Görls eher schreibfaul: Ich glaube, ich habe nicht einen richtigen Artikel geschrieben?! Ich habe eher so kleine Sachen gemacht, über Themen geredet, Cartoons gezeichnet, Kekse gegessen- damals hätte ich wahrscheinlich nicht gedacht, dass ich später noch so viel schreiben werde! Das heißt, ich habe bei Görls eigentlich keine Schreibpraxis gesammelt; aber ich habe vieles gelernt, beispielsweise was relevante Themen sind und wie man sie aufbereiten kann. Und, auch wenn es abgedroschen klingt, es hat auf jeden Fall meinen Horizont erweitert. Vielleicht habe ich daher auch den Mut gehabt, an die "Zitty" zu schreiben, um mich als Kolumnistin zu bewerben. Ich bin dann zwar keine Kolumnistin bei "Zitty" geworden, das war wohl doch zu viel verlangt, konnte aber immerhin als freie Autorin für die Zeitschrift schreiben.
Für alle Görls-LeserInnen, die auch gerne Schreiben, hier ein Link um über Ausschreibungen und Stipendien informiert zu werden: http://newsletter.uschtrin.de/









